GMS Studen

Es ist windig, kalt und dunkel an diesem Donnerstagabend im Januar. Die Strassen im kleinen Dorf Studen bei Biel sind leer. Neben dem Schulhaus, in einer ehemaligen mechanischen Werkstätte, strahlt aber freundliches Licht aus den grossen Fenstern. Drinnen, in der wohligen Wärme, haben es sich rund 30 Personen gemütlich gemacht. Sie stossen an mit verschiedenen erlesenen Weinen, bedienen sich am reichhaltigen Käsebüffet und unterhalten sich in kleinen Gruppen an Bistro-Tischen.

Im Hintergrund spielt dezente Live-Musik bis Stef Gerber die Gäste mit einem Zitat begrüsst: «Aus Niederlagen lernt man leicht. Schwieriger ist es, aus Siegen zu lernen» (Gustav Stresemann). Die Worte leiten die Gesprächsrunde von Gerber mit seinem Gast ein. Dieser erzählt ehrlich und transparent von seinen Erlebnissen als Profi-Unihockeyspieler, Familienvater, Leiter einer NPO und seiner Suche nach Gott. Es lässt sich gut zuhören mit einem guten Glas Wein in der Hand.

Der Event nennt sich «Chäs, Brot, Wy… u mini Gschicht mit Gott». Organisiert wird er von der gms Studen (gospel movement seeland). Das Projekt hat sich entwickelt aus dem EGW (evangelisches Gemeinschaftswerk) und startete am Reformationssonntag 1999 mit einem offenen Brunch in der Mehrzweckhalle. Am Anfang stand die Vision von Stef und Brigä Gerber: «Wir wollen kirchendistanzierten Menschen in Studen einen Ort bieten, in dem sie sich angenommen und wohl fühlen, Gott kennen und von Herzen lieben lernen».

Der Traum ist geblieben, das Projekt hat sich in den bisher 19 Jahren allerdings über (wichtige!) Umwege weiterentwickelt und ist offiziell nicht mehr mit dem EGW verbunden. Standen anfänglich hauptsächlich Events und ein attraktives Programm im Vordergrund, legen Gerbers und ihr Team heute den Fokus auf persönliche Beziehungen und das Gute im Dorf: «Unser Fokus ist nicht mehr, wie wir die Leute in unsere tollen Gottesdienste bringen, sondern die Frage, wie wir mit unseren begrenzten Möglichkeiten unserem Dorf dienen können». So ist vor einiger Zeit durch eine Unterschriftensammlung ein zentraler und gut ausgebauter öffentlicher Spielplatz entstanden. Die politische Gemeinde hat den Spielplatz finanziert, Gerbers und Team haben die Realisierung betreut.

Bewusst nehmen sie Teil an der Lebenswelt ihrer Mitmenschen und ihren Fragen. Nicht zufällig lautet der Claim von gms «Zfriede Läbe». Damit werden die Fragen der Mitmenschen aufgenommen und die Story der Bibel in Verbindung mit den Stories aus der Lebenswelt im Kontext gebracht: «Wir wollen das Leben ganzheitlich entdecken, entfalten und aktiv gestalten. Dabei begegnen wir auch dem, der das Leben erfunden hat».

Neben «Chäs, Brot & Wy» findet monatlich ein Matinée statt. Die offene Gemeinschaft trifft sich zu Kafi & Zopf, anschliessend gibt es eine Worship-Zeit, Kreativ-Elemente und eine lebensnahe Botschaft.

Kreativität wird überhaupt gross geschrieben beim gms. Regelmässig findet das Kreativ-Atelier für Frauen oder auch für Mütter und Töchter statt. So verwirklicht sich die Sicht eines ganzheitlichen Evangeliums, wie es Gerbers und ihr Team verstehen. Es geht um Kopf, Herz und Hand. Um Lehren und Lernen, um gemeinschaftliches Feiern und um die Hilfe zum Leben.

«Kürzlich besuchte uns eine Frau im Kreativ-Atelier, der von ihren Lehrern immer wieder gesagt wurde, dass sie nichts könne. Und auf einmal steht sie hier mit etwas Schönem in der Hand, das sie selber gemacht hat. Sie strahlt über das ganze Gesicht. Das ist für uns auch Evangelium», meint Stef Gerber.

Weil nichts wert ist, was nichts kostet, wird für einzelne Angebote ein Betrag zur Deckung der Unkosten erhoben. Ansonsten finanziert sich das Projekt durch Spenden von Firmen, Privatpersonen oder Stiftungen. Gerbers als leitendes Ehepaar sind zudem nicht nur mit gms innovativ und mutig unterwegs. Das «Pionier-Gen» drückt sich auch in ihren verschiedenen Tätigkeitsfeldern aus, denen sie zum Lebensunterhalt nachgehen. So führt Stef Gerber eine eigene Coaching-Praxis und ist Leiter von Willow Creek Schweiz. Seine Frau Brigä ist mit ihrer Handpuppe Adonette in der ganzen Deutschschweiz unterwegs und gibt Kurse. Alle diese unterschiedlichen Erfahrungen lassen sich wiederum in das fx-Projekt integrieren. Gerbers geht es nicht um ein Label in ihrer Arbeit, sondern um das Entdecken von Prinzipien und die fruchtbare Umsetzung vor Ort. Das Hören auf den Kontext ist ein wichtiges Merkmal. Dabei steht auch hier die Frage im Vordergrund, welche Gestalt die Kirche in einer postmodernen Gesellschaft hat, wo die Einwohnerinnen und Einwohner von Studen eine Gottesbegegnung ermöglicht wird.

Weitere Infos:

Webseite gms Studen

gms auf facebook

Gerber Motivation & Training

Brigä und Adonette