Geschichten und Beispiele

Langsam aber stetig kommen uns neue Beispiele und Geschichten von potenziellen fresh expressions of Church und neuen missionalen Gemeindeformen zu Ohren. Wir sind auf Berichte, Rückmeldungen und eure Geschichten angewiesen. Darum schickt uns eure Geschichten und Ideen, eure Projekte, welche auf dem Weg sind Kirche zu werden. Egal ob ihr noch in einem Crowd-Funding-Prozess steckt, eine langjährige etablierte frische Gestalt von Kirche habt, Erlebnisse aus einem Entstehungsprozess einer fx, Ideen, wie wirkliches „Zuhören“ auf Gott und die Menschen funktioniert, usw.

 

 

 www.metalchurch.ch hard music – strong message

Kontakt: Pfarrer Samuel Hug, Grundbachstrasse 8, 3665 Wattenwil, 033 356 26 05, pfarrer@metalchurch.ch
Der Verein Metalchurch hat im 2014 vier„Metalchurch“-Events mit Metalgottesdienst & -Konzerten im Downi in Worblaufen durchgeführt. Sie fanden vierteljährlich in bewährter Manier statt, dh.Sonntagabend um 1730h Türöffnung, 1800 bis ca. 1915h Gottesdienst, dann ab ca. 1945h die zwei Konzerte. Dabei besuchten jeweils gut 100 Personen die Anlässe,Tendenz zuletzt steigend. Ein harter Kern von Besuchern ist jedes Mal anwesend, viele kommen das eine oder andere Mal wieder, jedes Mal gibt es neue Gesichter. Die Besucher kommen natürlich schwergewichtig aus dem Kirchengebiet von RefBEJUSO. Jedes Mal sind aber Leute aus der halben Schweiz dabei, viele regelmässige Besucher reisen aus dem Aargau & Basel an. Die Altersspanne unter den Besuchern reicht von Teenagern bis Jungsenioren.
In den Metalgottesdiensten behandelten wir im letzten Jahr die folgenden Themen:
· „Lämmer unter Wölfen“ (Lk 10:1-12)
· „Leibtöter vs. Höllewerfer“ (Apg 9:1-19, Lk 12:4-5)
· „(B)engel – brav & heilig“ (Jes 6:1-8)
· „Creeping Death – Das Evangelium nach Metallica“

Im Anschluss an die Metalgottesdienste sind folgende Metal-Bands mit einem positiven Bezug zum christlichen Glauben in der Metalchurch aufgetreten:
· Morgarten (Black Metal, NE) & Reigning Depravity (Death Metal, BE)
· Back Pocket Prophet (Thrash Metal, England) & Hellucination (Color Metal, BE)
· FreaKings (Thrash Metal, BL) & Frank Needs Help (Metalcore, BE)
· Thy Bleeding Skies (Melodic Death Metal, Deutschland/Finnland) & Milestone (Alternative Metal, BE)
Die Bands haben diese Auftrittsmöglichkeiten in einer Zeit, in der Auftrittsmöglichkeiten rar sind,
sehr geschätzt.

Bibel, Bier & Metal

Das zweite Standbein, die Bibel, Bier & Metal-Abende im „Pfarrhaus-Metal-Keller“ fanden 2014 11mal statt, ein geplantes Treffen fiel krankheitshalber aus. Im Schnitt waren 11 Personen an diesen Gesprächsabenden anwesend, Spitzenwert 16 und Tiefstwert 7. Es gibt einen mittlerweile relativ festen Kern von Besuchern. Praktisch jedes Mal ist aber auch ein neues Gesicht anwesend. Einige nehmen auch sehr weite Anfahrtswege auf sich. Die Form ist bewährt und geschätzt: Man trifft sich um 20h, verbringt die erste halbe Stunde bei Bier, Chips, guter Musik und mit plaudern. Der Einstieg ins Thema erfolgt über einen Metalsong. Dann geht’s weiter zu einem einschlägigen Bibeltext und zu scheuklappenfreier Diskussion darüber. Kurz nach 22h wird der Abend mit einem Gebet offiziell beendet. Viele informelle Gespräche gehen noch weiter.
Folgende Themen wurden 2014 diskutiert:
· „Too blind to see“ (Bartimäus-Geschichte mit Bibel-Teilen)
· „Lämmer unter Wölfen“ (Vertiefung Metalchurch-Predigt)
· „Schwarze Perlen – meine Lieblingsbibelstelle“
· „Schwarze Dornen – meine schwierigste Bibelstelle“
· „Leibtöter vs. Höllewerfer“ (Vertiefung Metalchurch-Predigt)
· „Mit Gott auf dem Klo – Glaube im Alltag, Glaube am Montag“
· „(B)engel – brav & heilig“ (Vertiefung Metalchurch-Predigt)
· Besuch eines Japan-Missionars mit Lied „Art of Life“ von X-Japan
· Diskussion über den Doku-Film „Metal Evolution – Extreme Metal“
· „New Metal Leaders“ (Anforderungen an christl. Leiter)
· „Christmas War – Christmas Peace“

 

Weitere Aktivitäten

Weiter organisierte der Verein Metalchurch zusammen mit der Kirchgemeinde Wattenwil-Forst erstmals Metal-Konzerte in einer Kirche – ein historischer Moment für die Schweiz. Im Rahmen des alljährlichen Fête de la Musique 2014 besuchten unterschiedlichste Menschen von jung bis alt, von ortsansässig bis weit hergereist, von Metaller bis Schnuppergast die drei Konzerte der lokal verankerten Metal-Bands in der 330-jährigen Wattenwiler Kirche. Einzelne seelsorgerliche Kontakte on- & offline gehörten auch 2014 selbstverständlich zu den Aufgaben von Samuel Hug als Pfarrer. Vereinsintern fand Anfang Januar ein Helferfest für all die freiwillig Engagierten statt, ohne deren selbstlosen und umfangreiches Engagement die Metalchurch gar nicht möglich wäre.

 

Entwicklungen & Zielerreichung – Vision & Jahresziel

2014 war das zweite volle Metalchurch-Jahr. Es stand daher strategisch gesehen unter dem Zeichen der Konsolidierung des bisher Erreichten und punktueller Weiterentwicklung. Grundsätzlich haben die Metalchurch-Events ein doppeltes
allgemeines Ziel: Sie sollen ein Ort sein, wo christliche Metalheads den dreieinen Gott auf eine der Metalkultur entsprechende Art feiern können – das, was ihnen in ihren Gemeinden fehlt. Gleichzeitig sollen sie aber vor allem auch ein Ort sein, wo kritische oder am Glauben interessierte Metalheads niederschwellig die Gelegenheit erhalten, an
gelebtem christlichen Glauben zu schnuppern, offen und ehrlich über Lebens- & Glaubensfragen ins Gespräch zu kommen und unvoreingenommene Gemeinschaft zu erleben. Es hat sich im letzten Jahr gezeigt, dass wir bei beiden
allgemeinen Zielen für die Events auf Kurs sind. Wir haben von beiden „Arten“ Menschen viele Besucher. Gerade auch Distanzierte melden uns zurück, dass sie sich in unserem offenen Setting sehr wohl fühlen. Und wir beobachten viele engagierte und tiefgehende Gespräche ohne Berührungsängste – gerade auch zwischen Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund. Einige Besucher haben uns auch von tiefgehenden Erfahrungen mit Gott berichtet.
Dass viele kirchlich sozialisierte Metalheads einen weiten Weg zu den Metalchurch-Events (wie auch zum Bibel, Bier & Metal) auf sich nehmen, zeigt, dass hier ein Bedürfnis nach metallisch gefärbtem Glaubenlebens und Gemeinschaft unter Gleichgesinnten gestillt wird, das da ist, aber sonst nirgends befriedigt wird.

 

Weiterentwicklung Metal-Gottesdienst

Wir haben im letzten Jahr mit verschiedenen Formen von Symbolhandlungen und Formen der Partizipation experimentiert. Wir haben dabei gemerkt, dass was andernorts ankommt, für die Metal-Kultur und das offene Setting nicht passt. Wir sind aber bei der klassischten kirchlichen Symbolhandlung an sich fündig geworden, dem Abendmahl. Wir haben im Verlauf des Jahres dafür auch eine passende Form gefunden. Speziell ist sicher das Dankbekenntnis am Ende des Abendmahl, mit Voten des Pfarrers und geschrienen Antworten der Teilnehmer – eine metallische Art, aber an sich Liturgie im besten Sinn des Wortes. Auf Wunsch der Band haben wir den Schwerpunkt der Anbetung auf die Zeit nach der Predigt & Abendmahl verschoben. So wird für die Gottesdienstteilnehmer, wenn gewünscht, mehr persönliche
Vertiefung möglich. Der mit metallischen Motiven erweiterte aaronitische Segen – ebenfalls im liturgischen Wechsel – am Ende des Gottesdienstes hat sich weiter bewährt.

Damit der Gedanke der Partizipation nicht nur versteckt gelebt, sondern auch explizit sichtbar bleibt und der Gottesdienst nicht zur Show von Band und Pfarrer verkommt, hat Samuel Hug im letzten Jahr bewusst Leute in die Vorbereitung der Predigt einbezogen. Diese Personen haben dann auch am Abend selbst von der Bühne ihren persönlichen Teil zur Verkündigung beitragen. Die Informationen werden bereits seit dem ersten Metalgottesdienst von einer dritten Person
weitergegeben.

Stärkere Verankerung in der Ref. Kirche & Anpassung Vereinsstrukturen

Ein wichtiges Ziel für 2014 war die Festigung der Vereinsstrukturen und stärkere Verankerung in der offiziellen reformierten Kirche. Dieses Ziel wurde auf verschiedene Art erreicht: Der Kirchgemeinderat der Ref. Kirchgemeinde Wattenwil-Forst hat im Februar erfreulicherweise den Beschluss gefasst, Metalchurch offiziell zu unterstützen: Ideell und durch Gratis-Dienstleistungen. Mit der Fachstelle Jugend von RefBEJUSO hat sich der Verein regelmässig ausgetauscht und steht auch weiterhin in intensivem Kontakt, um die Arbeit sinnvoll weiterzuentwickeln. Auch im schweizerischen Netzwerk „fresh expressions – kirche|erfischend| anders“ pflegte Samuel Hug den Austausch – und selbstredend intensiv im Rahmen des Schweizerischen Dachvereins Unblack, dem christlichen Metalnetzwerk.

Weiter ist es uns gelungen, neben dem operativen Kernteam einen neuen Vorstand aus „offiziellen“ Verantwortungsträgern in der reformierten Kirche zu gewinnen: Zwei Sozialdiakone, ein Pfarrer und ein ehemaliger Synodaler bilden neu den Vereinsvorstand bzw. den „Kirchgemeinderat“. Samuel Hug führt weiterhin als Pfarrer operativ die Geschäfte des Vereins und leitet das Team der Freiwilligen. Glücklicherweise konnten wir eine neue zuverlässige Person für alle logistischen und administrativen Belange der Metalchurch-Events gewinnen. Zusammen mit dem neuen Vorstand und dem Kernteam der Freiwilligen fand auch eine intensive theologische bzw. ekklesiologische Grundsatzdiskussion über die Ziele des Vereins Metalchurch statt. Diese fruchtbare Diskussion mündete in entsprechende Grundlagentexte und einer Anpassung der Vereinsstatuten. (siehe http://www.metalchurch.ch/ziel)

 

Sicherung der Finanzen & Aufgleisen einer Anstellung des Pfarrers

Obwohl ursprünglich geplant, war es aus kirchenpolitischen Gründen noch nicht möglich, in der Synode einen wiederkehrenden Kredit für Metalchurch zu beantragen. Doch wir haben die Möglichkeit erhalten, ab 2015 erbrachte Leistungen mit der Fachstelle Jugend von RefBEJUSO abzurechnen. So konnten wir dank der Unterstützung der KOJU und dank grosszügigen Spenden von Kirchgemeinden und Privatpersonen die finanzielle Basis legen und auch juristisch alles nötige aufgleisen, um Samuel Hug auf 1.1.2015 hin mit einer 10%-Anstellung als Pfarrer auszustatten. Damit die Arbeit langfristig bestehen und weiter wachsen kann, sind wir aber weiter auf Spenden und Unterstützung angewiesen.

 

Neue Website & T-Shirts

Ein wichtiger Meilenstein für den Verein im vergangen Jahr war das Aufschalten einer eigenen umfassenden Website unter www.metalchurch.ch. Diese Ergänzung zum Facebook-Auftritt ist wichtig, um einem breiteren Kreis von Interessierten einen detailierteren Einblick zu den Angeboten und unseren Anliegen zu geben. Das Design mit dem „Heavy Metal Jesus“ kommt gut an. Darum haben wir auch ein T-Shirt mit dem
entsprechendem Design produzieren lassen.

 

Auswirkungen im Umfeld

Metalchurch hat im Jahr 2014 nicht nur kirchlich sondern auch säkular breites Interesse ausgelöst. Samuel Hug wurde wiederholt eingeladen und konnte Metalchurch etc. an verschieden Orten vorstellen. So wurden viele Menschen auf unser Angebot aufmerksam und konnten auch ausserhalb unserer Anlässe für die Fragen im Spannungsfeld von christlichem Glaube und Metalszene – bzw. Kirche und Milieus & Subkulturen allgemein – sensibilisiert werden:
Säkulare Medien (Link zu den Presseberichten: http://bit.ly/1z2LxGm)
· Der Bund: „The Heavy Metal Jesus“. Erfahrungsbericht über den Besuch eines Metalchurch-Events
· Thuner Tagblatt: „Metalbands rocken die Kirche“ und „Die Kirche bebte“. Vor- & Nachbericht zu ‚Metal in the Church‘
Erwähnung von Metalchurch im Zusammenhang mit „fresh expressions of church“:
· Website SRF „mit „freshen“ Ideen gegen leere Kirchen“
· Radio SRF1: Sendung Zwischenhalt (November)
· Radio SRF2: Sendung Perspektiven (November)
Kirchliche Medien (Link zu den Presseberichten: http://bit.ly/1z2LxGm)
· Videoportrait auf der DVD „Die kirchliche Jugendarbeit zeigt sich“ RefBEJUSO

Erwähnung von Metalchurch im Zusammenhang mit „fresh expressions of church“:
· Idea Spektrum (November)
· Bulletin Landeskirchenforum (November)

Kirchliche Anlässe
· Referat bei den Vikaren des Konkordats
· ‚SonnTalk‘-Gottesdienst Ref. Kirchgemeinde Üerkheim AG
· ‚Kirche in Aktion‘-Gottesdienst Ref. Kirchgemeinde Wattenwil-Forst BE
· Referat im Ref. Pfarrkapitel Zofingen AG
· Gespräch & Live-Metal-Musik, Ref. City Kirche Zug
· Regionales KUW-Wahlfach der Ref. Kirchgemeinden im Oberen Gürbetal BE ‚Metal – Mein Glaube & Meine Musik‘ mit Besuch Metalchurch
· Kurzreferat an der Tagung „fresh expressions“, Zürich
· Gästegottesdienst Heilsarmee Uster ZH
· Regionaler Jugendgottesdienst Ref. Kirchgemeinden Buchholterberg, Unterlangenegg, Linden und EGW Unterlangenegg BE
· Besuch einer Gruppe KUW-Schüler der Ref. Kirchgemeinde Grosshöchstetten BE in der
Metalchurch
Standpräsenz
· Elements of Rock Festival Uster ZH – zusammen mit Unblack & Schwarze Braut
· Regionale Konferenz Jugendarbeit RefBEJUSO, Thun BE

Erkenntnisse für weitere Projekte

Unsere Erfahrungen mit Metalchurch (und den weiteren Projekten in der Metalszene) zeigen uns klar: Will Kirche heute Menschen ansprechen, die kirchlich distanziert sind, kann das nur gelingen, wenn Christen bereit sind hinzugehen, und die Bereitschaft aufbringen sich mit Haut und Haaren kritisch-konstruktiv auf eine (Sub-)Kultur einzulassen. Dabei ist geduldiges, genaues und sensibles Hinhören gefragt. Dann braucht es viele kleine Schritte und den Mut auszuprobieren, Fehler zu machen und dann daraus zu lernen. Gottesdienstliche Feiern stehen dabei kaum am Anfang eines Engagements in einer Subkultur, sondern können erst nach und nach realisiert werden. Für die Umsetzung ist va. ein grosses freiwilliges Engagement und Vernetzung nötig. Unterstützung von institutioneller Seite gibt es zur Zeit meist erst,
wenn bereits erste Erfolge vorgewiesen werden können. Vertrauen bei den etablierten Kirchenaufzubauen, braucht Zeit und Geduld. Einem Projekt hilft es gewaltig, eine ordinierte Person fest und leitend mit an Bord zu haben, und öffnet
ungeahnte Türen.

Fazit

Wir konnten im Jahr 2014 die Arbeit und Angebote von Metalchurch wie angestrebt konsolidieren und punktuell weiterentwickeln. Für die Metalchurch-Events haben wir vorerst eine Form gefunden, die überzeugt. Bibel, Bier & Metal hat sich weiter bewährt. So haben wir 2015 hoffentlich gewisse freie Kapazitäten um vorhandene neue Ideen anzudenken und anzupacken. Erfreulicherweise dient Metalchurch bereits jetzt innerhalb der verfassten Kirchen als Inspiration und Studienobjekt. Wir freuen uns über das Gelingende und bleiben selbst suchend in Bewegung und freuen uns über jeden kritisch-konstruktiven Austausch und teilen unsere bisherigen Erfahrungen gerne.