Kath. Pfarrei Maria Lourdes (Zürich-Seebach)

Frische Ausdrucksformen – wo sind sie zu entdecken in einer katholischen Pfarrei?

Wir, die katholische Pfarrei Maria Lourdes in Zürich-Seebach, verstehen uns nicht als klassische fx-Gemeinschaft.  Und doch: fresh expressions – frische Ausdrucksformen – diese gibt es auf unserem Pfarreigebiet schon zu entdecken. Am Stadtrand von Zürich, mit gut 7000 registrierten Katholiken und vielen Bautätigkeiten und Neuzuzügen im Quartier, befinden wir uns mitten im pulsierenden Leben. In dieser sich stetig wandelnden Gesellschaft ist die Pfarrei ein Ort, der vielen Menschen Sicherheit und Geborgenheit schenkt. Und weil hier vieles strukturiert und geplant geschieht, verstehen wir diesen Ort weniger als frischen Ausdruck von Kirche.

Aber wann sprechen wir dann von frischem Kirche sein? Vielleicht dann, wenn nicht alles in gewohnten Bahnen läuft. Wenn es immer wieder Unsicherheiten, viele Fragen und chaotische Phasen gibt. Wenn diese Ausdrucksformen von Kirche entstehen und vergehen, je nach Situation und Bedürfnissen. Und wenn ihre Nachhaltigkeit nicht primär durch  äussere Formen und Strukturen sichtbar wird, sondern dadurch, was sie an Veränderung im Leben der Menschen und des Stadtteiles bewirken.

Frischen Ausdruck von Kirche erleben wir durch die Kleinen Christlichen Gemeinschaften (KCG), die sich seit über 10 Jahren regelmässig in den Quartieren treffen. Durch das Wort Gottes lassen sie sich ansprechen und blicken mit dem Sendungsbewusstsein von Jesus in ihr Lebensumfeld. „Sich kümmern um …“ ist ihr Programm. Diese Gemeinschaften sind lokal und offen für alle. Selbstorganisiert unterwegs und gleichzeitig zugehörig zur Pfarrei. Keine Hauptamtlichen nehmen teil. Es sind die Menschen des Ortes, die diese Wirklichkeit leben und entwickeln.

Eine KCG verbindet sich mit einer Initiative im Quartier und Neues wächst: die kleine christliche Gemeinschaft trifft sich in dem Stadtteil, in dem seit etwa 3 Jahren eine Wohnsiedlung für Asylanten steht. Ob wir als Gemeinschaft hilfreich sein könnten für diese Menschen? Wir erfahren vom Verein Zusammenleben im Kolbenacker, der sich der Wohnsiedlung bereits angenommen hat und das mit einer Umfrage, was diese Menschen brauchen. Barbara Baumann führte diese Umfrage durch und arbeitet für diesen Verein.  Wir laden sie zu einem KCG-Abend ein und lernen uns kennen. Wir bieten ihr unsere Unterstützung an. Die Freude ist gross, denn wir alle spüren, dass ein gemeinsames Unterwegssein für dieses Quartier viel mehr bewirkt.

Es entstanden wöchentliche Treffen mit den Menschen der Wohnsiedlung. Sich kennen lernen, hören und gehört werden. Daraus entwickelten sich Ideen, die wir - Nachbarn, Leute der KCG und Barbara - umsetzten: gemeinsam den Aussenraum der Wohnsiedlung gestalten, Feste feiern, Velo-Flicktag. Wertvoll dabei ist die Regelmässigkeit. Sie lässt langsam Vertrauen wachsen. So ist es mittlerweile ganz normal, dass Sorgen geteilt werden und wir gemeinsam schauen, was zu tun ist.

Wie sich dieses Leben am Ort entwickeln wird, wissen wir nicht. Richtung gibt uns einzig unser gemeinsames Anliegen: es soll Gottes Schöpfung gut gehen. Und dieser geht es gut, wenn wir die Würde allen Lebens achten und schützen. Wenn wir uns mit gleicher Entschlossenheit wie Jesus für das Arme, Verachtete, Ausgestossene oder Weggeworfene einsetzen.

Jesus zog von Ort zu Ort und in ähnlicher Weise ziehen die Jesus-Geschichten von Ort zu Ort. Eine Geschichte, eine Frage dazu, etwas Kreatives zum Gestalten und Zeit für Gespräche. Diese generationenverbindenden Momente finden regelmässig statt. In den Sommermonaten draussen auf der Wiese der Stadtgeissen. Ideal sind auch Gemeinschaftsräume von Wohnsiedlungen. Die Orte zeigen sich immer wieder neu, je nachdem, wo Menschen sind, die Freude an solchen Geschichten-Momenten haben. www.glaubenswegeseebach.ch

Was vor 10 Jahren mit etwa 5 Menschen begann ist heute die Pfarreiwerkstatt achzg52 mit über 150 Mitarbeitenden. Das Anliegen der gleichen Augenhöhe war und ist wegweisend in der Entwicklung der Werkstatt.  Jeden Mittwoch und Donnerstag von 9. – 11.00 Uhr ist die Werkstatt offen. Damit genug sinnvolle Arbeit da ist, braucht es immer wieder Phantasie und Mut. Nicht alles, was an Ideen umgesetzt wurde, war ein Erfolg. So wollte die Velowerkstatt einfach nicht zum Laufen kommen. Dafür entwickelte sich dank Talent einer Frau ein Nähatelier. Und dieses wächst und wächst. Während den Arbeiten und vor allem in der Pause gibt es viele Gespräche über Gott und die Welt. Und nebst den Fr. 30.-, die alle bekommen, ist diese Vernetzung unter den Menschen vielleicht das Entscheidende. Denn sie erfahren Zugehörigkeit und helfen einander bei all den Schwierigkeiten, die sich ihnen stellen.  www.achzg52.ch

Was uns in allem Sein und Tun wichtig ist und uns leitet:

  • Lokalität: sie begünstigt eine maximale Partizipation, lässt alle Generationen teilhaben und ist ökologisch.
  • Ressourcen teilen: schafft Vernetzung und stärkt die WIR-Wirklichkeit am Ort.
  • Sich kümmern: um die ganze Schöpfung und das mit allen Menschen zusammen.
  • Konkrete Gemeinschaften: hier ist jeder Mensch eingeladen, sein Potenzial zu entfalten. So erlebt er Bedeutsamkeit und Zugehörigkeit.

Kath. Pfarrei Maria Lourdes
Seebacherstr. 3
8052 Zürich
Marianne Reiser / Martin Piller

www.pfarrei-maria-lourdes.ch
www.kirche-geht.ch